VON SINNEN

26.9.14 Eros als Agent des Anderen

Ariadne von Schirach spricht über die Gaben des Eros und den Tanz um die Lust
Moderiert von Britta Heidemann

In Kooperation mit der Buchhandlung Koethers & Röttsches und der Alten Druckerei Herne

Im Zeitalter der Ökonomisierung trägt sich der Mensch selbst zu Markte. Als Ich-AG unterwirft er sich den Werten der ökonomischen Sphäre: Kontrolle, Effizienz und Berechenbarkeit. Auf der Ebene der Menschen nennen wir das Konkurrenz, der Markt ist der Agent des Gleichen. Der allgegenwärtige Zugriff auf das Unverfügbare oder Unverkäufliche ist pornographisch, darunter fällt auch die (Selbst-) Darstellung unserer Sexualität. Das Unkontrollierbare und Unlesbare hingegen sind Formen des Anderen, dessen Agent der Eros ist. Oder wie Ariadne von Schirach es in ihrem 2007 erschienenen Bestseller ›Der Tanz um die Lust‹ formuliert: ›Die Körper sind explodiert, und die Anteilnahme ist erkaltet. Nur die Erregung ist geblieben.‹

Ausgehend von Platons legendärem ›Gastmahl‹, in dem eine Runde illustrer Philosophen reihum Lobreden auf den Eros hält, stellt Ariadne von Schirach drei Gaben des Eros vor: die Verstörung, die Verwandlung und die Überraschung. Sie verheißen Erlösung aus der Idiotie einer narzisstischen Welt, die begonnen hat, alles in Pixel und Zahlen auszudrücken und deren fatalstes Versprechen darin besteht, dass jedes Morgen ebenso sicher und berechenbar sei wie das Heute. Demgegenüber erinnert Eros als Agent des Anderen uns immer wieder daran, dass Liebe und Begehren immer noch die Gefühlszustände sind, in denen wir die Wahrheit über unsere eigene Unberechenbarkeit erfahren.

Ariadne von Schirach wurde 1978 in München geboren. Die Philosophin lehrt an der Berliner Universität der Künste und arbeitet als freie Journalistin und Kritikerin für Deutschlandradio Kultur und das Philosophie Magazin. Auf den Bestseller ›Der Tanz um die Lust‹ folgte 2014 das Buch ›Du sollst nicht funktionieren‹, ein Plädoyer gegen den herrschenden Selbstoptimierungswahn und für eine neue Lebenskunst.

Britta Heidemann, geboren 1971 in Duisburg, ist Kulturredakteurin der Funke Mediengruppe, für deren Titel – darunter die Westdeutsche Allgemeine Zeitung – sie Literatur- und Theaterrezensionen schreibt. Immer wieder beschäftigt sie sich auch mit psychologischen und gesellschafts-wissenschaftlichen Themen. Für das Literaturbüro Ruhr führte sie Bühnengespräche u. a. mit Felicitas Hoppe, Olga Grjasnowa und Olga Martynova.


Foto: Marco Priske
Foto: Magdalena Hilling

Freitag
26. September 2014, 19.30 Uhr

Alte Druckerei Herne / Koethers & Röttsches (im Innenhof )
Bebelstraße 18
44623 Herne

Eintritt: 8/10 € (Vorverkauf/Abendkasse)
Karten unter 0 23 23 . 14 76 70
(von 09.30 – 18.30 Uhr)
altedruckerei-herne.de
dasbuch24.de